Anleihenblase, Zinswende und Staatsverschuldung – warum sichere Anleihen plötzlich riskant wurden
Ein fachlicher Überblick von Ullrich Angersbach vom 26. Juni 2026
1. Einleitung: Die unterschätzte Gefahr am Anleihenmarkt
Anleihen galten über Jahrzehnte als sicherer Teil eines Vermögens. Staatsanleihen hoher Bonität, Rentenfonds und konservative Mischfonds wurden vielen Anlegern als Stabilitätsanker empfohlen. Das Versprechen lautete: regelmäßige Zinsen, geringe Schwankungen und Schutz in Krisenzeiten.
Doch dieses Bild hat Risse bekommen. Die lange Phase extrem niedriger und teilweise negativer Zinsen hat zu einer historischen Verzerrung am Anleihenmarkt geführt. Viele Anleihen boten kaum noch Rendite, trugen aber erhebliche Kursrisiken. Als die Zinsen wieder stiegen, wurden diese Risiken sichtbar.
Ullrich Angersbach resümiert: Die Anleihenblase ist nicht explodiert – sie ist langsam geplatzt, und viele merken es erst, wenn sie in ihre Depots blicken.
Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur: Gibt es eine Anleihenblase? Sondern: Was bedeutet sie für Anleger, Rentenfonds, ETFs, Lebensversicherungen, Banken, Staaten und den langfristigen Vermögensaufbau?
2. Was ist eine Anleihenblase?
Eine Anleihenblase entsteht, wenn die Preise von Anleihen über längere Zeit stark steigen und die Renditen dadurch auf ein Niveau fallen, das die tatsächlichen Risiken nicht mehr angemessen widerspiegelt.
Bei Aktien erkennt man Übertreibungen oft an hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen. Bei Immobilien zeigen sich Blasen häufig an stark steigenden Kaufpreisen und niedrigen Mietrenditen. Bei Anleihen äußert sich eine Blase vor allem in extrem niedrigen oder sogar negativen Renditen.
Das klingt abstrakt, ist aber entscheidend: Wer eine Anleihe mit sehr niedriger Rendite kauft, zahlt einen hohen Preis für einen sehr geringen laufenden Ertrag. Steigen später die Marktzinsen, fällt der Kurs dieser Anleihe.
Je länger die Laufzeit einer Anleihe ist und je niedriger ihr Kupon ausfällt, desto empfindlicher reagiert sie auf steigende Zinsen. Genau darin lag das zentrale Risiko der Anleihenblase.
3. Warum Anleihenpreise und Zinsen entgegengesetzt laufen
Anleihen haben eine einfache, aber oft unterschätzte Mechanik: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen. Fallen die Marktzinsen, steigen die Kurse bestehender Anleihen.
Der Grund ist der feste Kupon. Wenn eine alte Anleihe nur ein Prozent Zins zahlt, neue Anleihen aber vier Prozent bieten, wird die alte Anleihe für Käufer unattraktiver. Ihr Kurs muss sinken, bis ihre Rendite wieder zum neuen Marktzinsniveau passt.
Beispiel: Eine langlaufende Staatsanleihe mit niedrigem Kupon wurde in der Nullzinsphase gekauft. Steigen die Marktzinsen deutlich, kann der Kurs dieser Anleihe massiv fallen, obwohl der Staat weiterhin zahlungsfähig ist. Das Risiko ist dann nicht primär ein Ausfallrisiko, sondern ein Zinsänderungsrisiko.
Genau dieses Zinsänderungsrisiko wurde über Jahre unterschätzt.
4. Duration: Der entscheidende Risikobegriff bei Anleihen
Die Duration misst vereinfacht gesagt, wie empfindlich eine Anleihe auf Zinsänderungen reagiert. Je höher die Duration, desto stärker verändert sich der Kurs bei einer Änderung des Marktzinses.
Eine Anleihe mit einer Duration von etwa acht Jahren verliert näherungsweise rund acht Prozent an Kurswert, wenn das Zinsniveau um einen Prozentpunkt steigt. Bei zwei Prozentpunkten Zinsanstieg kann der Kursverlust entsprechend deutlich größer ausfallen.
Diese Faustregel ist nicht exakt, aber sie zeigt das Prinzip. Lange Laufzeiten und niedrige Kupons machen Anleihen besonders anfällig für steigende Zinsen.
Viele Anleger hielten Rentenfonds für defensiv, ohne die durchschnittliche Duration im Fonds zu beachten. Genau das wurde in der Zinswende zum Problem.
5. Die Niedrigzinsphase als Ursache der Anleihenblase
Die Grundlage der Anleihenblase entstand nach der Finanzkrise 2008. Zentralbanken senkten weltweit die Leitzinsen, um Banken zu stabilisieren, Kreditvergabe zu erleichtern und eine schwere Rezession zu verhindern.
Aus einer kurzfristigen Krisenmaßnahme wurde in vielen Währungsräumen eine jahrelange geldpolitische Ausnahmesituation. Die Europäische Zentralbank, die Federal Reserve, die Bank of Japan und andere Notenbanken hielten die Zinsen lange sehr niedrig und kauften in großem Umfang Staats- und Unternehmensanleihen.
Die Folge: Anleihekurse stiegen, Renditen fielen, und viele Investoren wurden gezwungen, höhere Risiken einzugehen, um überhaupt noch Erträge zu erzielen. Versicherungen, Pensionskassen, Stiftungen, Banken und Privatanleger standen vor demselben Problem: sichere Rendite wurde knapp.
In dieser Phase entstanden Bewertungen, die ohne den massiven Einfluss der Zentralbanken kaum erklärbar gewesen wären.
6. Die Rolle der Zentralbanken
Zentralbanken waren einer der wichtigsten Treiber der Anleihenblase. Durch niedrige Leitzinsen und umfangreiche Anleihekaufprogramme drückten sie die Renditen am Kapitalmarkt. Besonders Staatsanleihen profitierten von dieser Nachfrage.
Mit Wirkung zum 17. Juni 2026 liegen die drei zentralen EZB-Zinssätze bei 2,25 Prozent für die Einlagefazilität, 2,40 Prozent für Hauptrefinanzierungsgeschäfte und 2,65 Prozent für die Spitzenrefinanzierungsfazilität.
Diese Zinssätze zeigen, dass die Nullzinswelt vorbei ist. Für Anleihemärkte ist das entscheidend. Denn ein höheres Zinsniveau verändert die Bewertung bestehender Anleihen, die Refinanzierungskosten von Staaten und Unternehmen sowie die Attraktivität alternativer Anlagen.
Die Entwicklung der Anleihenmärkte kann deshalb nicht losgelöst von der Geldpolitik betrachtet werden. Wer Anleihen verstehen will, muss Zentralbanken verstehen.
Weitere Hintergründe zur Geldpolitik finden Sie hier: Ullrich Angersbach über Zentralbanken, Geldschöpfung und Inflation.
7. Staatsanleihen: Sicher, aber nicht risikolos
Staatsanleihen hoher Bonität gelten häufig als sicher. Das ist im Hinblick auf das Ausfallrisiko oft richtig, aber nicht im Hinblick auf das Kursrisiko.
Eine deutsche Bundesanleihe wird in der Regel nicht mit einer hochspekulativen Unternehmensanleihe verwechselt. Dennoch kann auch eine Bundesanleihe im Kurs deutlich verlieren, wenn sie eine lange Laufzeit hat und das Zinsniveau steigt.
Am 26. Juni 2026 lag die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen bei etwa 2,84 Prozent. Dieses Niveau liegt deutlich über den extrem niedrigen Renditen der Nullzinsphase und zeigt, wie stark sich die Anleihewelt verändert hat.
Für Anleger bedeutet das: Die Frage ist nicht nur, ob ein Staat seine Schulden bedient. Die Frage ist auch, zu welchem Preis eine Anleihe gekauft wurde, welche Laufzeit sie hat und wie empfindlich sie auf Zinsänderungen reagiert.
8. Unternehmensanleihen: Rendite gegen Bonitätsrisiko
Unternehmensanleihen bieten häufig höhere Renditen als Staatsanleihen. Diese Mehrverzinsung ist jedoch kein Geschenk. Sie kompensiert Anleger für zusätzliche Risiken.
Zu diesen Risiken gehören Bonitätsverschlechterungen, Zahlungsausfälle, Liquiditätsprobleme und Kursverluste bei steigenden Risikoaufschlägen. Besonders kritisch wird es, wenn Unternehmen in der Niedrigzinsphase Schulden günstig aufgenommen haben und diese später zu deutlich höheren Zinsen refinanzieren müssen.
Je schwächer die Bilanz eines Unternehmens, desto gefährlicher wird die Zinswende. Unternehmen mit hoher Verschuldung und geringem freien Cashflow geraten schneller unter Druck.
Für Anleger ist deshalb nicht nur die Rendite entscheidend, sondern die Qualität des Schuldners.
9. Hochzinsanleihen und die Illusion hoher Erträge
Hochzinsanleihen werden häufig als attraktive Ertragsquelle dargestellt. Tatsächlich handelt es sich aber um Anleihen von Emittenten mit niedrigerer Bonität. Der höhere Kupon ist ein Risikoausgleich.
In guten Marktphasen wirken Hochzinsanleihen oft stabil. In Krisen können sie sich jedoch aktienähnlich verhalten. Dann steigen Risikoaufschläge, Kurse fallen, und Ausfallrisiken nehmen zu.
Gerade in einer Phase steigender Finanzierungskosten ist Vorsicht geboten. Unternehmen, die nur bei niedrigen Zinsen tragfähig waren, können bei höheren Zinsen in Schwierigkeiten geraten.
10. Inflation: Der stille Feind der Anleihe
Inflation ist für Anleiheanleger besonders wichtig. Eine Anleihe zahlt nominale Zinsen und am Ende einen nominalen Rückzahlungsbetrag. Entscheidend ist aber, was dieses Geld real noch wert ist.
Wenn eine Anleihe zwei Prozent Rendite bringt, die Inflation aber drei Prozent beträgt, verliert der Anleger real Kaufkraft. Selbst ohne Kursverlust kann die Anlage real negativ sein.
Die Niedrigzinsphase war deshalb für viele Anleger doppelt problematisch. Die laufenden Erträge waren niedrig, während spätere Inflationsschübe die reale Kaufkraft zusätzlich belasteten.
Anleihen können Sicherheit vermitteln. Ob sie real Vermögen erhalten, hängt aber vom Verhältnis zwischen Rendite, Inflation, Steuern und Kosten ab.
11. Staatsverschuldung und Zinslast
Die weltweite Verschuldung bleibt ein zentrales Risiko für die Anleihemärkte. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds lag die globale Gesamtverschuldung zuletzt bei etwas über 235 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.
Hohe Schulden machen Staaten, Unternehmen und private Haushalte empfindlicher gegenüber steigenden Zinsen. Je höher die Zinslast, desto weniger finanzieller Spielraum bleibt für Investitionen, Konsum, Sozialausgaben oder Zukunftsprojekte.
Für Staaten entsteht ein besonderer Zielkonflikt. Einerseits müssen sie sich refinanzieren. Andererseits verlangen Anleger bei höherer Inflation oder steigenden Risiken höhere Renditen. Dadurch können Haushalte unter Druck geraten.
Die Anleihenblase war deshalb nicht nur ein Kapitalmarktthema. Sie war auch Ausdruck einer Welt, die sich an billiges Geld gewöhnt hatte.
12. Ist die Anleihenblase geplatzt?
Die Anleihenblase ist nicht in einem einzigen Moment geplatzt. Sie wurde durch die Zinswende schrittweise entwertet. Als Zentralbanken die Zinsen anhoben, fielen die Kurse vieler bestehender Anleihen.
Besonders betroffen waren langlaufende Anleihen mit niedrigen Kupons. Auch Rentenfonds und Anleihen-ETFs mit hoher Duration verloren deutlich an Wert.
Damit wurde sichtbar, was zuvor verdeckt war: Sicherheit bei Anleihen bedeutet nicht automatisch Wertstabilität. Eine Anleihe kann pünktlich Zinsen zahlen und dennoch im Depot stark im Minus stehen.
13. Folgen für Rentenfonds
Rentenfonds bündeln viele Anleihen. Dadurch wird das Ausfallrisiko einzelner Emittenten reduziert. Das Zinsänderungsrisiko verschwindet jedoch nicht.
Wenn ein Rentenfonds viele langlaufende Anleihen hält, kann er bei steigenden Zinsen deutliche Kursverluste erleiden. Anleger sehen dann, dass auch konservativ wirkende Fonds schwanken können.
Wichtig sind deshalb die durchschnittliche Restlaufzeit, die Duration, die Bonität der enthaltenen Anleihen, die Währungsrisiken und die Kosten des Fonds.
14. Folgen für Anleihen-ETFs
Anleihen-ETFs gelten als transparent und kostengünstig. Dennoch tragen sie dieselben Grundrisiken wie die enthaltenen Anleihen. Ein ETF auf langlaufende Staatsanleihen kann bei steigenden Zinsen deutlich verlieren.
Viele Anleger achten bei ETFs vor allem auf Kosten und Indexnamen. Bei Anleihen-ETFs ist jedoch entscheidend, welche Laufzeiten, Bonitäten, Länder und Währungen enthalten sind.
Ein kurzlaufender Anleihen-ETF hat ein anderes Risikoprofil als ein ETF auf langlaufende Staatsanleihen oder globale Unternehmensanleihen.
15. Folgen für Lebensversicherungen und Pensionskassen
Lebensversicherungen und Pensionskassen investieren traditionell stark in Anleihen. Die Niedrigzinsphase setzte ihre Geschäftsmodelle unter Druck, weil sichere Neuanlagen kaum noch Rendite brachten.
Steigende Zinsen verbessern zwar langfristig die Wiederanlagechancen. Kurzfristig können sie aber Bewertungsverluste auf bestehende Anleihebestände verursachen.
Damit zeigt sich ein strukturelles Problem: Institutionen, die auf langfristige Garantien ausgerichtet sind, reagieren empfindlich auf extreme Zinsphasen.
16. Folgen für Banken
Auch Banken sind eng mit den Anleihemärkten verbunden. Sie halten Staatsanleihen als Liquiditätsreserve, Sicherheit und Anlagebestand. Steigende Zinsen können den Marktwert dieser Bestände belasten.
Solange Anleihen bis zur Endfälligkeit gehalten werden, müssen Kursverluste nicht zwingend realisiert werden. Problematisch wird es jedoch, wenn Liquiditätsbedarf entsteht und Anleihen mit Verlust verkauft werden müssen.
Die Zinswende hat deshalb gezeigt, dass Anleiherisiken nicht nur Privatanleger betreffen, sondern auch das Finanzsystem insgesamt.
17. Zusammenhang mit Aktienmärkten
Anleihen und Aktien stehen in Konkurrenz zueinander. Wenn sichere Anleihen kaum Rendite bieten, werden Aktien relativ attraktiver. Das war ein wichtiger Treiber der Aktienmärkte in der Niedrigzinsphase.
Steigen die Anleiherenditen, verändert sich diese Relation. Anleger können wieder Erträge mit Zinsanlagen erzielen, während Aktienbewertungen stärker hinterfragt werden.
Gleichzeitig können steigende Zinsen Unternehmensgewinne belasten, weil Finanzierungskosten steigen und Investitionen teurer werden.
Weitere Hintergründe dazu finden Sie hier: Ullrich Angersbach über Aktien.
18. Zusammenhang mit Gold
Gold steht in einem besonderen Verhältnis zu Anleihen. Gold zahlt keine Zinsen. Wenn reale Anleiherenditen hoch sind, wirkt Gold weniger attraktiv. Wenn reale Renditen niedrig oder negativ sind, kann Gold an Attraktivität gewinnen.
Gold ist zudem kein Zahlungsversprechen eines Schuldners. Das unterscheidet es fundamental von Anleihen. Eine Anleihe ist immer die Forderung gegenüber einem Staat, Unternehmen oder einer anderen Institution. Gold ist dagegen ein realer Vermögenswert ohne Gegenpartei.
In Phasen von Vertrauensverlust, hoher Inflation oder Zweifeln an der Tragfähigkeit von Schulden kann Gold deshalb eine besondere Rolle im Portfolio einnehmen.
Weitere Hintergründe dazu finden Sie hier: Ullrich Angersbach über Goldpreis und Geldwert.
19. Zusammenhang mit Immobilien
Auch Immobilienmärkte sind eng mit Anleihemärkten verbunden. Anleiherenditen beeinflussen Hypothekenzinsen, Diskontierungssätze und die Attraktivität alternativer Anlagen.
Niedrige Zinsen machten Immobilienfinanzierungen günstig und erhöhten die Zahlungsbereitschaft vieler Käufer. Steigende Zinsen senken dagegen die Leistbarkeit und können Kaufpreise unter Druck setzen.
Die Anleihenblase war daher Teil einer größeren Vermögenspreisverzerrung. Nicht nur Anleihen wurden durch niedrige Zinsen beeinflusst, sondern auch Aktien, Immobilien und andere Sachwerte.
20. Welche Anleihen sind besonders riskant?
Nicht jede Anleihe ist gleich riskant. Besonders anfällig sind Anleihen mit langer Laufzeit, niedrigem Kupon, schwacher Bonität, geringer Liquidität oder Währungsrisiken.
- Langlaufende Anleihen reagieren stark auf Zinsänderungen.
- Anleihen mit niedrigem Kupon bieten wenig laufenden Puffer.
- Hochzinsanleihen tragen höhere Ausfallrisiken.
- Fremdwährungsanleihen können durch Wechselkurse belastet werden.
- Nachrangige Anleihen können in Krisen besonders stark verlieren.
- Illiquide Anleihen lassen sich in Stressphasen schwer verkaufen.
Für Anleger ist deshalb die genaue Struktur entscheidend. Der Begriff „Anleihe“ allein sagt wenig über das tatsächliche Risiko aus.
21. Welche Anleihen können sinnvoll sein?
Trotz aller Risiken sind Anleihen nicht grundsätzlich ungeeignet. Nach der Zinswende bieten viele Anleihen wieder Renditen, die über den Niveaus der Nullzinsphase liegen.
Sinnvoll können vor allem kurz- bis mittelfristige Anleihen hoher Bonität sein, wenn sie zu einem angemessenen Preis gekauft werden und zur Risikostruktur des Anlegers passen.
Auch eine Laufzeitenstaffelung kann helfen. Dabei werden Anleihen mit unterschiedlichen Fälligkeiten kombiniert, um Wiederanlagerisiken und Zinsänderungsrisiken zu verteilen.
Entscheidend bleibt: Anleihen sind kein risikofreier Parkplatz. Sie sind ein Werkzeug, das richtig verstanden und eingesetzt werden muss.
22. Was Anleger aus der Anleihenblase lernen sollten
Die wichtigste Lehre aus der Anleihenblase lautet: Sicherheit darf nicht mit Schwankungsfreiheit verwechselt werden. Auch Anlagen mit hoher Bonität können erhebliche Kursverluste erleiden.
Anleger sollten bei Anleihen besonders auf folgende Punkte achten:
- Rendite bis zur Fälligkeit
- Restlaufzeit
- Duration
- Bonität des Emittenten
- Währung
- Liquidität
- Kosten bei Fonds und ETFs
- Inflation nach Steuern und Kosten
Wer diese Faktoren ignoriert, beurteilt Anleihen nur oberflächlich.
23. Anleihen im Portfolio
Anleihen können weiterhin eine sinnvolle Rolle im Portfolio spielen. Sie können laufende Erträge liefern, Schwankungen reduzieren und Liquidität planbarer machen. Entscheidend ist jedoch die richtige Auswahl.
Eine robuste Vermögensstruktur sollte nicht allein auf Anleihen setzen. Sinnvoll ist eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen, Regionen, Laufzeiten und Währungen.
- Aktien können langfristiges Produktivkapital abbilden.
- Anleihen können Ertrag und Planbarkeit liefern, tragen aber Zins- und Bonitätsrisiken.
- Liquidität schafft Handlungsfähigkeit.
- Gold kann als Vertrauens- und Krisenbaustein dienen.
- Immobilien können Sachwertcharakter besitzen, bleiben aber stark zinsabhängig.
Weitere Hintergründe zur Strukturierung eines Vermögens finden Sie hier: Ullrich Angersbach über Portfolioaufbau.
24. Anleihenblase und Börsencrash
Eine Anleihenblase kann auch Auswirkungen auf Aktienmärkte haben. Wenn Anleiherenditen stark steigen, werden Aktienbewertungen stärker unter Druck gesetzt. Gleichzeitig steigen die Finanzierungskosten für Unternehmen.
In extremen Fällen können steigende Zinsen, fallende Anleihekurse und sinkende Aktienmärkte gleichzeitig auftreten. Dann funktioniert die klassische Annahme nicht mehr, dass Anleihen ein Depot automatisch stabilisieren.
Gerade Mischfonds und klassische 60/40-Portfolios können in solchen Phasen unter Druck geraten, wenn Aktien und Anleihen gleichzeitig fallen.
Weitere Hintergründe dazu finden Sie hier: Ullrich Angersbach über Börsencrashs.
25. Fazit: Die Anleihenblase als Warnsignal
Die Anleihenblase war das Ergebnis einer langen Phase extrem niedriger Zinsen, expansiver Zentralbankpolitik und hoher Nachfrage nach vermeintlich sicheren Anlagen. Sie zeigte, dass auch konservative Anlageklassen erhebliche Risiken bergen können.
Mit der Zinswende wurde sichtbar, dass viele Anleihen nicht risikolos waren, sondern nur jahrelang risikolos wirkten. Besonders langlaufende Anleihen mit niedrigen Kupons verloren deutlich an Wert.
Für Anleger bedeutet das: Anleihen bleiben wichtig, müssen aber richtig verstanden werden. Entscheidend sind Rendite, Laufzeit, Duration, Bonität, Inflation und die Rolle der Anleihe im Gesamtportfolio.
Ullrich Angersbach resümiert: Die Anleihenblase ist nicht explodiert – sie ist langsam geplatzt, und viele merken es erst, wenn sie in ihre Depots blicken.
Häufige Fragen zur Anleihenblase
Was ist eine Anleihenblase?
Eine Anleihenblase entsteht, wenn Anleihekurse über längere Zeit stark steigen und Renditen so niedrig werden, dass die tatsächlichen Risiken nicht mehr angemessen bezahlt werden.
Warum fallen Anleihen, wenn Zinsen steigen?
Bestehende Anleihen haben feste Kupons. Wenn neue Anleihen höhere Zinsen bieten, müssen ältere Anleihen im Kurs fallen, damit ihre Rendite wieder zum aktuellen Marktniveau passt.
Was bedeutet Duration?
Duration beschreibt die Zinssensitivität einer Anleihe. Je höher die Duration, desto stärker reagiert der Kurs einer Anleihe auf Zinsänderungen.
Sind Staatsanleihen sicher?
Staatsanleihen hoher Bonität haben oft ein geringes Ausfallrisiko. Sie können aber erhebliche Kursverluste erleiden, wenn Zinsen steigen oder lange Laufzeiten gehalten werden.
Sind Bundesanleihen risikolos?
Bundesanleihen gelten als sehr bonitätsstark, sind aber nicht risikolos. Besonders langlaufende Bundesanleihen können bei steigenden Zinsen deutlich im Kurs fallen.
Was ist der Unterschied zwischen Kupon und Rendite?
Der Kupon ist der feste Zinssatz, den eine Anleihe zahlt. Die Rendite hängt zusätzlich vom Kaufpreis, der Restlaufzeit und der Rückzahlung ab.
Warum waren negative Renditen problematisch?
Negative Renditen bedeuteten, dass Anleger bei Halten bis zur Fälligkeit nominal einen Verlust akzeptierten. Gleichzeitig blieb das Kursrisiko bei steigenden Zinsen bestehen.
Können Anleihen wertlos werden?
Ja, bei Zahlungsausfall eines Emittenten können Anleihen stark verlieren oder nahezu wertlos werden. Bei bonitätsstarken Staatsanleihen ist dieses Risiko geringer, aber nicht mit dem Kursrisiko zu verwechseln.
Sind Rentenfonds sicher?
Rentenfonds streuen über viele Anleihen, tragen aber weiterhin Zinsänderungs-, Bonitäts-, Währungs- und Liquiditätsrisiken.
Sind Anleihen-ETFs sicher?
Anleihen-ETFs sind transparent und kostengünstig, aber nicht risikolos. Ihr Risiko hängt von Laufzeiten, Bonitäten, Ländern, Währungen und der Duration des Index ab.
Welche Anleihen sind besonders riskant?
Besonders riskant sind langlaufende Anleihen mit niedrigem Kupon, Hochzinsanleihen, nachrangige Anleihen, Fremdwährungsanleihen und Anleihen schwacher Schuldner.
Welche Anleihen sind weniger zinssensitiv?
Kurzlaufende Anleihen reagieren in der Regel weniger stark auf Zinsänderungen als langlaufende Anleihen.
Profitieren Anleihen von sinkenden Zinsen?
Ja, wenn Zinsen fallen, steigen die Kurse bestehender Anleihen in der Regel. Besonders langlaufende Anleihen profitieren dann stark.
Warum betrifft die Anleihenblase auch Aktien?
Steigende Anleiherenditen machen sichere Zinsanlagen attraktiver und erhöhen die Finanzierungskosten von Unternehmen. Dadurch können Aktienbewertungen unter Druck geraten.
Was bedeutet die Anleihenblase für Anleger?
Anleger sollten Anleihen nicht pauschal als sicher betrachten. Entscheidend sind Laufzeit, Duration, Rendite, Bonität, Inflation, Kosten und die Rolle im Gesamtportfolio.
Interne Vertiefungen
- Ullrich Angersbach über Zentralbanken
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- Ullrich Angersbach über Aktien
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Quellen und weiterführende Informationen
- Europäische Zentralbank
- Deutsche Bundesbank
- Internationaler Währungsfonds
- Federal Reserve
- Deutsche Finanzagentur
Über den Autor
Ullrich Angersbach ist Diplom-Kaufmann, Vermögensverwalter und Marketing-Coach für Fondsmanagement-Gesellschaften. Er schloss 1979 sein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München ab. Seine Diplomarbeit „Das Bauherrenmodell – Eine Information für Kapitalanleger und Anlageberater“ erschien im selben Jahr und behandelte steuerliche Aspekte von Immobilienanlagen.
Nach dem Studium arbeitete Ullrich Angersbach viele Jahre in einer bankenunabhängigen Vermögensverwaltung, darunter zwei Jahre in den USA. Später leitete er ein Family Office in der Schweiz und war anschließend für den Aufbau einer internationalen Vertriebsorganisation für Fondsinvestments verantwortlich, die qualifizierten Großinvestoren angeboten wurden.
Seit 2008 ist Ullrich Angersbach als selbstständiger Marketing-Coach tätig. Er unterstützt Fondsmanagement-Gesellschaften mit seiner langjährigen Berufserfahrung und veröffentlicht Fachartikel zu Geldpolitik, Kapitalmärkten, Vermögensaufbau, Finanzprodukten und Anlagestrategien.
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