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Anleihenblase – Das unterschätzte Risiko | Ullrich Angersbach

Anleihenblase – Das unterschätzte Risiko
Analyse von Ullrich H. Angersbach

Die Phase der Zinssenkungen mit Kursgewinnen
Jahrzehntelang galten Anleihen als sichere Häfen für vorsichtige Investoren. Das Versprechen: solide Zinsen, geringe Schwankungen – bei Staaten hoher Bonität sogar quasi risikofrei. Über 25 Jahre hinweg fielen die Zinsen weltweit – deutsche Bundesanleihen etwa sanken von 9 % Anfang der 1990er Jahre auf zeitweise unter 0 %. Parallel dazu stiegen die Kurse der Anleihen, wovon Anleger zusätzlich profitierten.
Der REX Performanceindex – der deutsche Rentenindex – spiegelte diese Entwicklung eindrucksvoll wider: Anleger konnten Zinsen kassieren und Kursgewinne realisieren, selbst bei geringem Risiko.
Die Zinswende seit 2022 – ein Bruch mit der Vergangenheit
Inflationsraten in Europa und den USA stiegen 2022–2023 zeitweise auf über 8 %.
EZB und US-Notenbank Fed mussten die Leitzinsen drastisch anheben.
10-jährige Bundesanleihen rentierten im Sommer 2024 wieder bei rund 3,2 %, US-Staatsanleihen sogar über 4,5 %.
Im Frühjahr 2025 liegen deutsche 10-jährige Anleihen bei ca. 2,8 %, da sich die Inflation etwas beruhigt hat – allerdings auf hohem Niveau.
Das bedeutet: Wer zwischen 2016 und 2021 langlaufende Anleihen zu historischen Tiefstzinsen gekauft hat, sitzt heute auf erheblichen Buchverlusten. Viele Anleger haben diese Fallhöhe unterschätzt.
Grafik: Entwicklung der Renditen 10-jähriger Bundesanleihen 2010–2025
„Die Zeit, in der Anleihen eine ruhige Renditequelle waren, ist vorbei. Die Zinswende hat vielen Anlegern gezeigt, dass Kursverluste bei Anleihen sehr real und drastisch sein können – besonders bei langen Laufzeiten.“ — Ullrich Angersbach, Juni 2025
Systemisches Risiko durch hohe Schuldenlast
Die weltweite Staatsverschuldung ist zwischen 2020 und 2024 massiv gestiegen – zur Pandemiebekämpfung, zum Schutz vor Energiekrisen und durch Investitionen in Digitalisierung & Verteidigung.
Auch Unternehmen und Privathaushalte stehen mancherorts am Rand ihrer Schuldentragfähigkeit.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt: Ein weiterer signifikanter Zinsanstieg könnte eine Kettenreaktion von Zahlungsausfällen auslösen – mit schwerwiegenden Folgen für das gesamte Finanzsystem.
Was, wenn Staaten wie Frankreich oder Italien ins Wanken geraten?
Die Schuldenstände Frankreichs und Italiens haben neue Rekordwerte erreicht. Zwar wurde bisher verhindert, dass Risikoaufschläge wie beim Griechenland-Fiasko 2010 explodieren – doch das Vertrauen ist brüchig:
Frankreich: Rating-Abstufung durch Fitch 2024.
Italien: Staatsschuldenquote über 145 %, schwaches Wachstum trotz EZB-Stützung.
Ein Vertrauensverlust – etwa durch politische Instabilität oder Zahlungsverzug – könnte die Zinsen sprunghaft steigen lassen. Die Folge wären massive Verluste bei Anleiheinvestoren.
Wenn das Vertrauen schwindet – Die Anleihekrise in der Eurozone
Land Staatsschuldenquote (2025) Zins 10-jährige Anleihen Risikoindikator
Deutschland 66 % 2,8 % Solide – hohe Marktliquidität, Top-Rating
Frankreich 113 % 3,9 % Politische Unsicherheit, herabgestuft
Italien 145 % 4,6 % Strukturell hohes Risiko, abhängig von EZB
Griechenland 161 % 5,1 % Verbesserte Bonität, aber hohes Niveau
USA 129 % 4,5 % Hohes Defizit – steigende Zinslast
Quelle: IWF, Bloomberg, EZB – Stand: Juni 2025
Fazit: Die stille Blase ist geplatzt – aber nicht für alle sichtbar
Ullrich Angersbach resümiert: „Die Anleihenblase ist nicht explodiert – sie ist langsam geplatzt, und viele merken es erst, wenn sie in ihre Depots blicken. Wer heute glaubt, Anleihen seien ein sicherer Hafen, verwechselt die Vergangenheit mit der Zukunft.“
Anleihen dürfen nicht mehr reflexartig als „sicher“ gelten. Die neue Realität verlangt aktives Zins- und Bonitätsmanagement.
FAQ zur Anleihenblase
Warum spricht man von einer Anleihenblase?
Weil langjährige Zinssenkungen die Kurse auf ein künstlich hohes Niveau getrieben haben, während steigende Zinsen seit 2022 massive Kursverluste auslösen.
Welche Risiken bestehen für Anleger?
Hohe Buchverluste bei langlaufenden Anleihen, steigende Risikoaufschläge in unsicheren Staaten und systemische Gefahren durch Überschuldung.
Sind Staatsanleihen noch sicher?
Nur teilweise – Staaten mit hoher Bonität wie Deutschland gelten weiterhin als relativ sicher, andere Länder sind deutlich riskanter.
Wie sollten Anleger reagieren?
Mit Diversifikation, aktivem Risikomanagement und der Vermeidung zu hoher Laufzeiten in unsicheren Marktphasen.
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Haftungsausschluss
Die in diesem Artikel von Ullrich Angersbach dargestellten Einschätzungen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine individuelle Beratung. Sie stellen weder Finanz- noch Rechts- oder Steuerempfehlungen dar. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden; insbesondere ist die frühere Entwicklung kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Für Handlungen, die auf Grundlage dieser Informationen erfolgen, übernimmt der Autor keine Haftung.
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